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Aktivkohle – 5 spannende Fakten über das schwarze Gold

1. Ein Fußballfeld mit 4g

Wie funktioniert eigentlich Aktivkohle? Aktivkohle, auch medizinische Kohle oder lateinisch Carbo medicinalis genannt, ist poröser, feinkörniger Kohlenstoff mit großer innerer Oberfläche. Die Poren sind wie bei einem Schwamm untereinander verbunden und so fein, dass die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes entspricht! Daran können viele und unterschiedliche Substanzen wie Gase, Toxine, Bakterien und Stoffwechselprodukte gebunden werden – Carbo Medicinalis wird daher als Adsorptionsmittel in der Medizin eingesetzt.


Interessierte finden hier weitere fachliche Details:

https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Aktivkohle


2. Tierisch oder pflanzlich

Aktivkohle kann aus verschiedensten Ausgangssubstanzen hergestellt werden - aus pflanzlichen, tierischen, mineralischen oder petrochemischen Stoffen. Als Ausgangsmaterialien dienen z. B. Holz, Torf, Nussschalen, Braun- oder Steinkohle oder auch Kunststoffe. Entsprechend wird dann auch unterschieden nach Pflanzenkohle oder Tierkohle, welche aus tierischem Blut (Blutkohle) oder aus Knochen (Knochenkohle) hergestellt wird. Für Carbo Medicinalis von Shanab Pharma dienen Kokosnuss-Schalen als Ausgangssubstanz.

Wer mehr über die Gewinnung wissen möchte, wird unter anderem hier fündig:

https://www.chemie.de/lexikon/Aktivkohle.html


3. Schwarze Kohle – schwarzer Stuhl


Aktivkohle wird auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt - als Farbstoff E 153. Der Farbstoff kommt in verschiedensten Produkten wie Marmeladen, Fruchtsaftkonzentraten, Gelees, Süßigkeiten und bei Käsen zum Einsatz. Man sollte sich daher nicht wundern, wenn sich aufgrund seiner stark färbenden Funktion während der Einnahme von Aktivkohle-Kapseln auch der Stuhl schwarz verfärbt.






4. Aktivkohle von Kopf bis Fuß?

Schöne Haut, weiße Zähne, als Haarshampoo oder Gesichtsmaske oder als cooler schwarzer Smoothie – Aktivkohle zeigt sich vielerorts als Trendprodukt zur Anwendung von innen und auch außen. Durch seine Eigenschaft, verschiedenste organische und anorganische Stoffe, Bakterien, Bakterientoxine und Giftstoffe zu binden, wurden dadurch nach und nach viele Anwendungsgebiete identifiziert.

Am besten dokumentiert und auch traditionell am häufigsten eingesetzt werden Arzneimittel aus Aktivkohle allerdings bei verschiedensten Beschwerdebildern rund um die Verdauung, insbesondere bei Durchfall oder um Blähungen zu lindern oder zu vermeiden. Es ist somit auch ein wichtiger Bestandteil der Reiseapotheke – vor allem bei Reisen in Ländern mit erwartungsgemäß ungewohnter Kost oder möglicherweise niedrigeren Hygienestandards.


5. Entgiften und vergiften

„Detox“ ist in aller Munde – das Ausleiten von belastenden Stoffen aus dem Körper wird als Wundertherapie in Medizin, Fitness und Beauty angepriesen, das Angebot ist breit. Die Qualität von Aktivkohle, verschiedenste Substanzen zu binden, hat sie zum relevanten Angebot im Detox-Markt gemacht.

Fundierte Empfehlungen gibt es für die Aktivkohle, wenn es um tatsächliche Vergiftungen geht - hier wird in der Medizin gerne auf Carbo Medicinalis zurückgegriffen. Schon in den frühen 60er Jahren gab es diesbezüglich ärztliche Empfehlungen in den USA: "A bottle of charcoal on every medicine shelf would go a long way to combat serious poisonings in the home.“ Durch ihr umfangreiches und schnelles Bindungsvermögen ist sie zur frühzeitigen Behandlung oraler Vergiftungen besonders geeignet. Aktivkohle ist zwar sehr breit, aber nicht gegen alle Gifte wirksam. So gilt für die Laien-Anwendung etwa: Amatoxin, Colchizin und Ibotensäure – die toxischen Bestandteile von Knollenblätterpilz, Herbstzeitlose oder Fliegenpilz – können von Aktivkohle adsorbiert werden, Metalle (wie Blei oder Quecksilber), Säuren und Laugen aber nicht. Und leider – Aktivkohle ist auch kein wirksames Katermittel: Alkohole (Ethanol, Methanol oder Glycole) werden nämlich auch nicht ausreichend aufgenommen.


Weitere Informationen und eine aktuelle und umfangreiche Übersichtsarbeit zum Thema findet sich hier:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/206967/Applikation-von-Aktivkohle-bei-Vergiftungen

https://www.aerzteblatt.de/archiv/19718/Aktivkohle-Sofortmassnahme-bei-oralen-Vergiftungen

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